Die Story

In sieben Bildern wird Leben und Wirken Martin Luthers erzählt und dabei immer wieder mit den Zweifeln und Widersprüchen der heutigen Zeit konfrontiert.

 

Im ersten Bild

steht der junge Luther im Blickpunkt. Seinem Vater ist wichtig, dass er eine möglichst umfängliche Bildung genießt, damit er Karriere machen und im Wohlstand leben kann. Luther studiert, aber mit einem ganz anderen Ziel: Er will Gott und die Welt verstehen, nur der Wahrheit verpflichtet, und er fragte sich: Wie mach ich‘s recht, damit Gott mir gnädig ist? Diese Überlegungen Luthers werden von der Pop-Stimme konterkariert. Sie regt sich auf: Was für ein verrückter Kerl! Der glaubt noch an den Teufel! Luther hadert auch nach seinem Eintritt ins Kloster immer wieder mit sich: „Ich bin ein Geistlicher, ein Mönch geworden, und bleibe doch ein Sünder. Ich bin nicht besser als die Leute, die draußen leben in der Welt.“ Nach langem Suchen und Ringen wird Luther die Erkenntnis geschenkt, dass Gott ihn auch als einen unvollkommenen, sündigen Menschen in Gnaden annimmt, wenn er Buße tut und an die Versöhnung durch Christus glaubt.

 

Im zweiten Bild

geht es um den Ablasshandel, der Luther ein Dorn im Auge ist. In einer dramaturgisch durchgestylten Szene tritt Tetzel auf dem Marktplatz auf und bietet marktschreierisch Ablassbriefe an, mit deren Hilfe man sich von seinen Sünden loskaufen kann. Luther kritisiert ihn leidenschaftlich: „Das kann nicht die Lehre der Kirche sein: Zahlen – und stracks in den Himmel hinein.“ Er wendet sich an seine Kollegen und stellt ihnen seine 95 Thesen gegen diese Praktiken vor. Die Kirche indes bleibt bei ihrer Ablasspraxis und schickt den Papstgesandten Cajetan, der Luther zum Widerruf bewegen soll. Doch jener bleibt standhaft und wird schließlich vor den Reichstag zitiert.

 

Das dritte Bild

zeichnet den Reichstag zu Worms nach, in dem Luther aufgerufen wird, seine „ketzerischen“ Schriften zu widerrufen. Doch er bleibt standhaft: „Ich habe nur das geschrieben, was ich in meinem Gewissen hab’ als Wahrheit erkannt. Wenn einer beweist, dass ich irre, dann werde ich gern widerrufen. Hier steh ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir“ Hiervor zieht sogar die Pop-Stimme den Hut: „Das war super, tolle Performance!“ Und so wird auf Befehl des Kaisers Karl V. der Bann vollzogen: Im ganzen Reich darf keiner ihn schützen, keiner ihm Nahrung und Unterkunft geben bei Strafe des Todes. Luther flieht daraufhin heimlich aus Worms.

 

Im vierten Bild

wird Luther von Soldaten seines Landesherrn entführt und auf die Wartburg gebracht, wo er endlich die Zeit findet, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Auch hier ringt er mit sich und seinem Glauben im Gebet: „Was soll ich glauben, Gott und Herr? Wem soll ich glauben? Ist das schwer!“ Und die Popstimme antwortet hämisch: „Ja, das hättet ihr gern, eine himmlische Stimme, die die Wahrheit verkündet. Wozu habt ihr den Kopf? Gefährlich sind die, die den Verstand nicht gebrauchen, sich auf göttliche Wahrheit berufen.“ An dieser Stelle ringen auch die beiden Chöre miteinander, ehe die Botschaft deutlich wird: Die wahre Kirche sind doch die, die auf die Stimme des guten Hirten Jesus Christus hören. Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Der Glaube macht frei, und er verpflichtet zugleich. „Bist du frei in deiner Seele, wirst du deinem Nächsten dienen. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

 

Im fünften Bild

wird Luthers umstrittene Rolle im Bauernkrieg thematisiert, die in einem innigen Gebet Luthers endet: „Verzeih’ mir, o Gott, all diese armen Menschen. Welch ein großer Schmerz, welche Schuld, die ich da auf mich lud. Und doch: Ich musst‘ es tun, damit nicht unser liebes Evangelium von ihnen in ein Grundgesetz der Tyrannei verkehret wird und Gottes Wort nicht mehr gepredigt wird in diesem Land.“ In diesem Lied wird die innere Zerrissenheit Luthers in besonderer Weise deutlich.

 

Da die ganzen Protagonisten in diesem Stück Männer sind, wir aber auch eine weibliche Hauptrolle wollten, haben wir uns entschieden, die Rolle der Erzählerin Luthers Frau Katharina von Bora anzuvertrauen. Um sie geht es auch

 

im sechsten Bild.

Es wird erzählt, wie adlige Mädchen damals oft ins Kloster gesteckt wurden, um sie zu versorgen. Wie einige in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Kloster nach Wittenberg geflüchtet sind, und wie schließlich alle einen Mann fanden außer Katharina, die Luther dann gezwungenermaßen selber heiraten musste obwohl er doch schon 42 Jahre alt war und eigentlich gar nicht heiraten wollte. Der Hörer erfährt, wie die beiden dann doch sehr glücklich miteinander wurden und in einem innigen Duett vom Segen der Ehe schwärmen.

 

Epilog

Noch so vieles könnte man über diesen Mann sagen, auch was er nicht wollte: dass eine Kirche nach ihm benannt wird. Zum Schluss werden die Antagonisten dieses Stückes, die „Pop-“ und die „Klassikseite“, miteinander versöhnt, wenn sie singen: „Viele sagen: Es gibt keinen Gott! Viele sagen: Gott ist tot! Viele sagen: Gott hat keine Macht, sonst hätt‘ er der Welt den Frieden gebracht. Doch trotz aller Zweifel will ich nicht verzagen, ich will an ihn glauben

und will‘s mit ihm wagen. Ich bin frei und geborgen in meinem Gott, und diene dem Nächsten in seiner Not.“ – Ein sehr versöhnliches und darin auch anrührendes Ende dieses großen Oratoriums.